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Foto von Valery Heussler

Foto Leo E. Hollinger 1972

VALERY HEUSSLER (1920-2007)

Malerei, Plastiken



Die folgenden Sätze und Abschnitte sind gekürzt den ausgezeichneten Publikationen der Kunstkritikerin Annelise Zwez entnommen (http://www.annelisezwez.ch, und Saur Lexikon „Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker.“ 2011).

1 ...Die Jugend von Valery Heussler ist geprägt vom damals gängigen gesellschaftlichen Denken breiter Schichten, wonach ein Mädchen weder in einem Gymnasium noch an einer Kunstgewerbeschule etwas zu suchen habe...Die Realschule genügt, um die Büroarbeiten im väterlichen Garagenbetrieb zu erledigen und später in der Fabrik zu arbeiten.. ..Mit 15 Jahren reisst Valery Heussler von zuhause aus. Im Welschland findet sie eine Stelle in einer Familie. Nach zehn Monaten wird sie vom Vater in sein Geschäft zurückgeholt. Hinter seinem Rücken meldet sie sich in der Kaufmännischen Handelsschule an.. ..In der Einkaufszentrale von Maus Frères in Basel findet sie eine Stelle als Bürolistin...


2 ...Ab 1938 arbeitet sie bei „Maus Frères“, als Bürolistin, später Grafikerin und Werbefachfrau. 1941 kündigt sie, um sich an der Gewerbeschule zur Malerin und Bildhauerin auszubilden. Mit graphischen Aufträgen schlägt sie sich finanziell durch. Sie findet regen Kontakt zur Basler Kunstszene; 1947 heiratet sie den Basler Maler Alex Maier, 1950 wird sie Mitglied des „Kreis 48“, später auch Mitglied der Künstlerinnengesellschaft GSMB+K.

3 ...Bereits die figürlichen Ei-Tempera-Bilder auf Leinwand der späten 1940er-Jahre zeigen, dass Valery Heussler eine kritische Denkerin ist, welche die Maskeraden der Basler Fasnacht einsetzt, um die Schrecknisse des Weltkriegs in Bilder zu übersetzen. Menschen scheinen ihr nicht mehr darstellbar. Sie erfindet den „Bumpf“, malt das „Tal der Lemuren“. 1951 erstmals an der „Nationalen Kunstausstellung“ beteiligt; Ankauf durch die Eidgenossenschaft. 1951/52/54 dank His-, Schiess- und Eidg. Stipendium längere Aufenthalte in Lipari, Reisen nach Sizilien und Spanien.

4 ...Die sich ankündigenden 68er-Jahre stärken das Selbstvertrauen. Lernt, wie einst ihr Vater, ab 1967 an der Gewerbeschule schmieden, schlossern, schweissen. Erste Metallplastiken. 1970 Trennung von Alex Maier, Erwerb eines Bauernhauses in Elfingen (AG), Einrichtung als Schmiedewerkstatt (dank Beitrag Basel-Stadt). Ab 1973 geschmiedete, figürliche Eisenplastiken aus Stahlbändern; „Wachtposten“, „Drei Gehende“, „Einsamkeit“. Die allgemeine Politisierung der Gesellschaft rückt kritische Themen in den Vordergrund. Die Gleichschaltung durch Werbung und Massenmedien wird zum wichtigsten Thema in Valery Heusslers Schaffen.

5 ...Sie erinnert sich der fatalen Instrumentalisierung des Radios durch Hitler in den 1930er-Jahren. Die Ohrenmenschen werden zu „Uniformierten Hörerschaften“, die Augenmenschen zu gleichgeschalteten Sehern“. An die Stelle geschmiedeter Plastiken treten ab Mitte der 1970er-Jahre Eisen- und Bronzegüsse (Kleinskulpturen) respektive mit geschwärzten Gipsbandagen dicht umwickelte Gerüste aus Armierungseisen (Grossformate, Reihungen).

6 ...1980-93 mehrere raum- und wandfüllende Installationen mit multiplizierten „Hörer“- und „Seher“-Schaften für Innen- und Aussen-Räume; Ankäufe durch Kunst-Kredit BS und BL, Gemeinde Riehen, Kantonalbank Rheinfelden. Zahlreiche Ausstellungen. Mehrfach gezeigt wird die vielteilige Gruppe der „Salesmen“, uniforme, lebensgrosse Figuren, die mit langen Röhrenaugen und Aktentasche alle in dieselbe Richtung eilen.

7 ...In den 1990er-Jahren entstehen die spätesten plastischen Arbeiten, nun aus Chromstahl und wieder deutlich die reduzierte Formensprache der Augen-, Nasen- und Ohrenmenschen aufnehmend. Letzte Ankäufe durch den Kunst-Kredit der Stadt Basel, Installation der Werke 2000 in der Theodorsgraben-Anlage. 2007 stirbt Valery Heussler in Elfingen; ihr Freundeskreis wird eingeladen, die Werke des Nachlasses im Andenken an die Künstlerin zu übernehmen. Leo E. Hollinger erstellt 2008/2009 dokumentarische CD.

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